Musik

 





Interpret, Titel und Kommentar Bewertung nach Schulnoten-system
Mike Oldfield - Discovery (1984)
Eine der ersten LPs, die ich mir - damals 13-jährig - gekauft habe. Lange her!
Ausgehend von "Discovery" entdeckte ich das Schaffen Mike Oldfields, der zum Idol meiner Jugend wurde. "Ommadawn" und "Incantations" waren meine Lieblingsplatten. Heute sind diese mir aber etwas zu düster und nicht audiophil genug.
Hatte Oldfield in seinen Anfangstagen seine Platten mit nur einem Werk gefüllt, wandte er sich seit "Platinum" (1979) dem kommerziellen Publikum zu und veröffentlichte neben Instrumentals auch Popsongs. So sind sind auf "Discovery" sieben Vokalstücke zwischen Pop und Rock zu finden, sowie das 13-minütige Instrumental "The Lake".
Mithilfe des Drummers und Co-Produzenten Simon Philips entstand eine Platte zeitlos schöner Musik. Die Arrangements sind sehr geschmackvoll, nicht überladen. Präsentes Schlagzeug, treibender Bass, abwechselnd Gesang von Maggie Reilly und Barry Palmer, Gitarren und etwas Synthesizer.

31.10.2010
1-
Scorpions - Sting in the tail (2010)
Ja, Premiere, jetzt wird hier auch mal ne Scheißplatte besprochen!
Ostersonntag, ich fahre aus Göttingen kommend von Martins 50. Geburtstag zurück nach Schöningen. Im Radio läuft NDR2, "Talk bei Tiedjen", Gast ist Rudolf Schenker, Gründer und Rhythmusgitarrist der Scorpions aus Niedersachsens Hauptstadt Hannover. Der Junge hat ja viel zu erzählen, nicht immer gehaltvoll, aber immer angenehm und immer mit ostfälischem Einschlag ("Mit baaden Baanen im Hildeshaamer Wasseraamer steen und kaane Saafe!").
Der liebe Kosi hatte vorgeschlagen, der Scorpions-Abschiedstournee beizuwohnen. War mir zu aufwendig, habe dafür blind diese Album gekauft. Der Titel ist ja schon wieder sagenhaft! Was soll das bedeuten? "Stachel im Schwanz" Äh, ja ...
Rudi Schenker: "Sting in the tail" ist eine Quintessenz der Achtziger, von "Love at first sting" bis "Savage Amusement". Das ist nicht mehr zu toppen."
Mann! "Love at first sting" war die erste Platte überhaupt, die ich mir gekauft habe! Eine gute Scheibe, "Rock you like a hurricane" mit dem ewigen Gitarrenriff, "Big city nights", wirklich nette Scheibe. Die "Savage Amusement" war vielleicht etwas überproduziert, aber da waren tolle Songs drauf: "Rhythm of Love" oder "Every minute every day"! Und die Gitarrensounds fand ich bei den Hannoveranern immer ganz weit vorn.
Also zurück in die Gegenwart:
Gitarrensounds: sehr verzerrt, passt vielleicht zu Rammstein, aber nicht zu Hardrock a la Scorps.
Erstes Stück: Reharmonisierung von o.g. "Rock you like a hurricane" usw. usf., vom Rest ist auch nicht wirklich was hängen geblieben. Die ruhigen Stücke ("Lorelei") sind noch etwas besser, aber insgesamt ist das wirklich ein schaler Aufguss der 80er, das braucht heute kein Mensch mehr. Schade, ich mag Euch, Scorpions, hätte Euch ein grandioses Alterswerk gegönnt, aber das ist diese Scheibe leider nicht.

14.04.2010
3-
Iron Maiden - Seventh Son of a Seventh Son (1988)
Das "Lizard King" habe ich gleich an meinem ersten Abend in Poznan kennenlernen dürfen, und habe dort insbesondere im Frühjahr 2009 viel Zeit verbracht. Ein Laden mit spezieller Atmosphäre, häufig Live-Musik (in der Regel Blues-Rock). Bis der Club dann im Sommer 2009 vom einen auf den anderen Tag zumachte. Tragisch!

An einem Samstag-Abend lief dort die "Seventh Son of a Seventh Son". Ich kannte die Scheibe noch aus meiner Jugend. Iron Maiden hatte mich nie so richtig interessiert. Klar, die Musik ist schon einzigartig und recht gut gemacht, aber irgendwie zu klischeebeladen (Dung-taka, dung-taka, der "Maiden-Galopp"; die Achtel gefolgt von zwei Sechzehnteln, bis zum Erbrechen ...). 2005 habe ich Iron Maiden live bei Rock am Ring gesehen. Das Konzert war gut, aber wie gesagt, nicht wirklich mein Ding. Doch durch den Abend im Lizard King bin ich dann zu meiner ersten Iron Maiden-CD gekommen.

Und mit der "Seventh Son" verhält es sich auch etwas anders. Hier sind die Metal-/Maiden-Klischees kaum vorhanden, dafür umso mehr mehrstimmige Gitarrenmelodien und eindrucksvolle Gesangsmelodien, wirklich gelungene Arrangements, in denen auch Keyboards ihren Platz finden. Im Outro von "The Prophecy" ist sogar ein schöner, mehrstimmiger Akustikpart zu hören. Das als Konzeptalbum gestaltete Werk weist eigentlich keine Füller auf (am ehesten noch "The Evil that men do") und hat mit dem Titelsong einen Maiden-typischen lyrischen Knaller, der durch seine Produktion wirklich Power und eine besondere Stimmung rüberbringt.

Ein Meilenstein des Heavy Metal, wenngleich oder weil ein eher untypischen Maiden-Album.

Und: Im Lizard King hängen Plakate und verkünden die "Reaktywacja". Das Leben ist schön. :-)

01.02.2010
1-
David Lee Roth - Eat'em and smile (1986)
Nach dem Split mit Van Halen war dies das erste komplette Solo-Album von Diamond Dave. Mit Gregg Bissonette an den Drums, Billy Sheehan am Bass und Gitarrist Steve Vai formierte der exentrische Frontman hier eine absolute Supergroup!
Und was die vier Jungs hier abzaubern, ist allererste Sahne. Was für eine Spielfreude! Klar, das ist über weite Strecken Griffbrett-Wichserei, was Vai und Sheehan da abziehen, aber die Songs an sich werden dadurch nicht beeinträchtigt, es sind klasse Nummern, die einfach großen Spaß machen.

Gut, Uptempo-Nummern wie "Elephant Gun" oder "Shy Boy" brauche ich nicht, auch nicht das Sinatra-Cover "That's Life", aber der Rest ist einfach großartig. Und einen Song wie "Ladies' Nite in Buffalo" schreibt man vermutlich nur einmal in 10 Jahren. Ganz großes Kino!

24.05.2009
1-
Puhdys - II (1974)
Was da so hinter dem Eisernen Vorhang an toller Musik hervorgebracht wurde, ist einem in Westdeutschland ja fast verborgen geblieben. Klar, Sillys "Am Fenster" oder Karats "Der Blaue Planet" waren Riesenhits, die wir auch kannten, aber die Puhdys hatten (meines Wissens) keinen vergleichbaren Hit und waren daher weniger bekannt, dabei bringen sie seit mittlerweile 40 Jahren große Musik auf gleichbleibend hohem Niveau hervor.
Dank entfernter familiärer Bindungen nach Gera kam ich schon sehr früh mit den Puhdys in Verbindung (1000 Dank, Udo!). Danach hatte auch ich diese Band fast schon wieder vergessen, bis ich sie mir, weil sie gerade da waren, Ende 2003 live anschaute. Und live waren sie sehr, sehr gut; eine eingespielte Rockband mit einem superben Drummer, netten alten AC/DC-mäßen Marshall-Gitarrensounds und einer souveränen Bühnenpräsenz. Seitdem habe ich vier Scheiben von den Puhdys (zwei Alben auf einer CD schon ab 5 EUR: zugreifen!), die ich immer wieder gerne auflege. Vermutlich habe ich fern der Heimat das Bedürfnis nach deutschen Texten ...
Die Puhdys sind mit zwei Gitarren, Keyboard, Bass, Schlagzeug und Gesang besetzt. Kommt der Gesang doch leider etwas Westernhagen-prollig rüber, würde ich den Bandsound insgesamt irgendwo zwischen Deep Purple, Uriah Heep, AC/DC undundund einordnen.
So, jetzt zum konkreten Album II:
Einige Lieder klingen stellenweise psychedelisch; die Keyboards erinnern sehr an Deep Purple, wenngleich der Sound nicht so aggressiv ist, was auch daran liegt, dass das Schlagzeug recht leise abgemischt ist.
Was hier für geniale Riffs und Arrangements zu hören sind, ist beeindruckend. Was allein in "Scheidung" an Melodien und Riffs verbraten ist, reicht andernorts für vier Hits. Tragisch natürlich, dass neben sehr schönen Texten (z.B. "Lied für Generationen") solche Klopper wie "Jodelkuh - Lotte" oder "Sonntagsfahrer" dabei sind, die trotz guter Musik textlich einfach nur in die NDW gepasst hätten.
Insgesamt eine sehr nette Platte zum Chillen während des Sommergewitters.

Anspieltipps:
Spiel zu zweit
Steine
Lied für Generationen
Die Sonne kennt ihren Weg

24.05.2009
2
AC/DC - Black Ice (2008)
Was hat die Welt auf dieses Album gewartet!
Ganzseitige Artikel in den Feuilletons, ein Beitrag in den Fernsehnachrichten, die Tour in Deutschland innerhalb 12 Minuten ausverkauft! Dazu regelmäßiges Airplay bei NDR2 (das gab's vor 20 Jahren nicht. Scheiße, bin ich alt!)
AC/DC waren die großen Helden meiner Jugend. Bis ich sie live sah und seitdem keinen Bock auf Männer in kurzen Hosen habe, noch dazu, wenn sie meinen, diese bei jeder Show als Höhepunkt (?!) runterzulassen ...

Ja, abgesehen von Angus finde ich die Jungs aber richtig cool, das sind Haudegen, alte Bekannte, die ich natürlich auf ihrem Weg begleite, und dementsprechend war auch ich mächtig heiß auf diese Scheibe! Zumal bei mir der "Rock'n'Roll Train" vorab dank YouTube rauf und runter lief. Geiler Song, sehr viele Parallelen zu "Highway to Hell", aber eben von 2008.
Der Sound ist geil! Es haut einen einfach um, bestes Beispiel hierfür "Stormy Mayday".
Brians Stimme kommt sehr gut rüber, sehr atmosphärisch, insgesamt klingt es nach einer guten Rock'n'Roll-Band in einem schönen Club.
So weit, so gut. Was hier allerdings nicht mithalten kann, ist m.E. nach das Songwriting. Die Songs sind doch teilweise sehr simpel, klingen wie schon 1000 mal gehört. Schade! Es hätten dann ja auch nicht 15 Stücke sein müssen. Wenn man die schlechtesten 6 Songs gestrichen hätte, wäre ein sehr nettes Comeback-Album geblieben.

Anspieltipps:
Rock'n'Roll Train
Stormy Mayday
War machine
Decibel

04.01.2009
2-
Peter Gabriel - Secret World Live (1993)
Was für ein Erlebnis!
1993 solch eine Show (ich bin auch glücklicher Besitzer einer VHS von diesem Konzert. Die DVD kann - ich weiß nicht mehr, in welcher Hinsicht, ich glaube klanglich, weil nur 5:1-Format - da nicht mithalten) zu inszenieren, ist schon sagenhaft! Damals war ich noch zu jung, das zu schätzen, und 2004 war das Konzert, das ich in Hamburg sehen durfte, nicht mehr ganz so ergreifend wie diese zwei Shows in Modena, Italien, die im November 1993 aufgezeichnet wurden.
Superbe Musiker (Manu Katche ist einer meiner drei Lieblingsdrummer, Bassist Toni Levin sicherlich über jeden Zweifel erhaben, Paula Jones' Stern ging mit dieser Tournee auf, verblasste aber recht schnell) setzen hier Peter Gabriel's großartige Songs und Arrangements um, die Choreographie beeindruckt.
Insgesamt kommen die Stücke etwas - klar, weil live - rockiger rüber, als auf der damals aktuellen CD "Us". Dadurch wird das Ganze homogen und spritzig. Einmalig, wundervoll! Bestes Stück: "Secret World".

19.10.2008
1
Motörhead - On Parole (1976)
Heavy-Metal-Umlaut?
Schon mal gehört? Habe ja 1985 angefangen, für kurze Zeit den "Metal Hammer" zu lesen, habe aber nie was von "Heavy-Metal-Umlaut" gehört. Erst als ich kürzlich - ja, ja, ich schäme mich - "Wer wird Millionär" mit dem allseits geliebten und bewunderten Günter Jauch gesehen habe, bin ich über diesen HMU gestoßen.

Ernsthaft, ich kriege hier in Polen über Kabel nur wenige deutschsprachige Sender, und den Unterschichten-Fernsehen-Quatsch muss ich ja nicht haben. Aber diese schöne Rateshow sehe ich mittlerweile gern. Wohl wissend, dass meine liebe Oma das auch immer sehr gern gesehen hat. "Chateaubriand, das ist doch ein Fleischgericht!" (für Insider; neulich auf einer Speisekarte gelesen ;-)).
Zuruck zum Anfang, gibt's diesen Umlaut wirklich? Nun ja, die komische Trulla in der Show fing erst an zu raten "Ei, was gibt's denn für Musikgruppen? Motörhead, Genesis, was noch? (!)" Und hat dann einfach auf "R&B-("Steht R&B wirklich für Rhythm and Blues, Herr Jauch?") Diphthong gesetzt und 31.500 EUR verloren. Shit happens.

So, und jetzt zur Musik. Lemmy ist ja nicht nur durch Günter Jauch, sondern auch durch ein Interview in der von mir so gern gelesenen Süddeutschen Zeitung zurzeit medienpräsent. Das neue Album kenne ich noch nicht. Daher schreibe ich jetzt mal über das erste Motörhead-Album.

Erschreckend, oder auch nicht, ich habe so um die 10 Motörhead-Alben. Das erste Album "On Parole" fällt stilistisch aus dem Rahmen. Mit "Motörhead" hat es zwar einen Song an Bord, der die zukünftige Richtung aufzeigt, die übrigen Nummern sind aber doch etwas ruhiger, mehr dem Blues Rock als dem Heavy Metal ("was'n dat?" ; Zitat einer Plattenverkäuferin in einem Norderneyer Plattengeschäft, so ungefähr 1985) zuzuordnen. Hmm, sicherlich nicht die ganz große Scheibe, aber da ist viel Seele in den Stücken.
Und "Iron Horse" in dieser langsameren Version als in Hammersmith, "Lost Johnny" und "Fools" sind durchaus Diamanten.

Born to lose. Live to win. Für Liebhaber.
13.09.2008
3+
Seal - II (1994)
Wunderschön!
Diese samtene Stimme, wundervoll! Die Lieder sind unglaublich schön instrumentiert bzw. arrangiert; Trevor Horn hat produziert. Allerdings nicht so offensichtlich wie in manchen 80er-Produktionen (z.B. Grace Jones, Frankie goes to Hollywood). Hier hören wir einfach eine fantastische Produktion, jedes Instrument ist an seinem Platz.
Im Klassiker "Kiss from a rose" wird sehr deutlich, wie die Melodien nacheinander von verschiedenen Instrumenten gespielt werden. Einfach schön, abwechslungsreich, aber nicht übertrieben sophisticated.
Einziges Manko ist, dass die Qualität der Lieder in der zweiten Hälfte nachlässt.

Ein Meilenstein!

13.09.2008
2+
Terence Trent D'Arby - Symphony or Damn (1993)
Letzten Sommer, als in meinem Leben unheimlich viele Veränderungen stattfanden, habe ich diese CD rauf und runter gehört.
Zugegeben, man hört leider den Multi-Instrumentalisten heraus; eine komplette Band hätte sicherlich homogener geklungen. Die Produktion ist insgesamt nicht auf dem allerhöchsten Level.
Aber diese Intensität! Die Lieder sind wild; TTD ist ein wahres Energie-Bündel, er singt, schreit, wispert. Schwere, groovende Stücke wechseln sich mit seichten, teilweise zerbrechlichen Songs ab. Stellenweise sind die Übergänge ziemlich extrem, aber das macht gerade den Charakter dieser CD aus. Es ist ein Gesamtwerk, in sich stimmig, wie ich finde. Der rote Faden ist die Intensität, Terence Trent D'arby hat diese Platte mit jeder Körperfaser "gearbeitet". Beim Hören, besser Erleben, dieser CD fühle ich mich momentan dem Künstler nahe wie bei keiner anderen CD.

25.07.2008
2+



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